Wiener Riesenrad Viennese Giant Wheel Ferris Wheel

Wiener Prater

250 Jahre Wiener Prater

Luftaufnahme Wiener Prater

Mit rund sechs Quadratkilometern ist der Prater Wiens größtes Vergnügungs- und Naherholungsgebiet. Das einstige Jagdrevier der Habsburger wurde 1766 von Kaiser Joseph II der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zum 250-Jahre-Jubiläum findet am 9.4.2016 ein großer Blumenkorso statt, mit über 100 Fiakern, Oldtimern, Motorrädern und vielem mehr. Das Wien Museum Karlsplatz beleuchtet von 10.3. bis 21.8.2016 mit der Ausstellung „In den Prater! Wiener Vergnügungen seit 1766“ die abwechslungsreiche Geschichte des Praters. Das Jüdische Museum Wien widmet dem Jubilar von 16.3. bis 18.9.2016 die Schau „Unterhaltung zwischen Prater und Stadt. Wege ins Vergnügen“. Und das Circus- & Clownmuseum Wien zeigt von 31.3. bis 31.12.2016 die Ausstellung „Wunderwelt Prater. 250 Jahre Wiener Prater“.

Schweizer Haus im Wiener Prater
Schweizerhaus

Natürlich gibt es im Prater noch viele andere Attraktionen und Sehenswürdigkeiten als das Riesenrad und die Geisterbahn. Wer vom Autodromfahren und der vielen Zuckerwatte genug hat, der kann sich im Schweizer Haus - einem der beliebtesten traditionellen Wiener Gaststätten - um sein körperliches Wohl kümmern. Neben dem berühmten Stelzen (Schweinshaxen) mit Sauerkraut gibt es auch das echte „Budweiser“, nicht die verwässerte Variante, die es in den USA zu kaufen gibt.

2016 feiert der Wiener Prater einen runden Geburtstag: Vor 250 Jahren hatte Kaiser Joseph II. das einstige Jagdrevier für das Volk geöffnet. Im Jubiläumsjahr gibt es für den Jubilar einen großen Blumenkorso und drei Ausstellungen zum Thema.

Im Prater fand 1873 die große Weltausstellung statt. Zum 50. Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs 1897 wurde dort das Riesenrad errichtet. Bei Festen im Prater durften Schausteller ihre Zelte und Buden errichten. Viele von ihnen blieben und bildeten so den Grundstock für den heutigen Vergnügungspark, den Wurstelprater, mit seiner alten Holzrutschbahn, historischen Kinderkarussellen, modernen Fahrgeschäften und zahlreichen Lokalen. Der sogenannte grüne Prater mit seinen Alleen, Bäumen und Wiesen ist nach wie vor ein beliebtes Erholungs- und Sportareal. Wer noch mehr über den Weiner Prater wissen möchte, sollte weiter unten die „Liebeserklärung an den Wiener Prater“ lesen.

WU Wien

Am Rande des Praters siedelte sich 2013 der Campus WU der Wiener Wirtschaftsuniversität an, der mit architektonischen Highlights u. a. von Zaha Hadid Architecture, CRABstudio und Atelier Hitoshi Abe aufwartet.

Prater, 1020 Wien, www.prateraktiv.at
Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien, www.wienmuseum.at
Jüdisches Museum Wien, Palais Eskeles, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, www.jmw.at
Circus- & Clownmuseum Wien, Ilgplatz 7, 1020 Wien, www.circus-clownmuseum.at
Campus WU, Welthandelsplatz 1, 1020 Wien, www.wu.ac.at

Eine Liebeserklärung an den Wiener Prater

Liebeserklärung an eine bunt lackierte Welt der Fantasie: Warum der Wiener Wurstelprater bis heute die Herzen erobert – und wie man sich ihm am besten annähert.

Der Wiener Prater ist im Sommer einer der besten Plätze in der Stadt: Viel Natur, jede Menge Platz zum Radfahren, Joggen oder Inline-Skating, dazu der älteste Vergnügungspark Europas, kaltes Bier und zwei Wiener Institutionen: Das Riesenrad und das Schweizerhaus.

Ende des vorletzten Jahrhunderts war Eisen groß in Mode. Genauer: Kühne Eisenkonstruktionen, die dem Fortschritt der Technik ihren Tribut zollten. In Paris baute Gustave Eiffel daraus einen oben spitz zulaufenden Turm und im selben Jahr (1897) entstand auch ein wesentliches Wahrzeichen der Donaumetropole. Aber Wien war anders, bereits damals. Denn der Erbauer Gabor Steiner, Betreiber eines Vergnügungsparks, wusste ganz instinktiv was im Wiener Prater gut ankommt: Nämlich sich im Kreise drehen. Das Oben und das Unten ein paar Minuten lang vertauschen. Die Welt aus stets neuer Perspektive sehen. All das ermöglichte das Wiener Riesenrad, das die Londoner Firma Basset kühne 65 Meter Richtung Praterhimmel zog.

Eingang Wiener Prater
Eingang

Seither hat es nicht nur dem umliegenden Vergnügungspark des Wiener Praters gute Dienste geleistet, sondern der ganzen Stadt. Nach dem „Steffl“, dem Wiener Stephansdom, gilt das Riesenrad als zweitbekanntestes Wahrzeichen Wiens, wobei es mitunter für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte. Etwa 1914, als die kühne Kunstreiterin Madame Solange d’ Atalide eine Riesenrad-Runde drehte – allerdings auf dem Rücken ihres Pferdes, das sie wiederum aufs Dach eines der kreisenden roten Wägelchen stellte. Unübersehbar ist das Riesenrad freilich auch so. Es kann von zahlreichen Orten der Stadt aus gesehen werden, gilt als wesentliches Element der Silhouette Wiens. Aber könnte man auch für den restlichen Wurstelprater behaupten. Ohne ihn würde Wien ein Stückchen Seele verlieren.

  • Wiener Prater Wurstlprater
    Hochschaubahn
  • Wiener Prater Wurstlprater
    Blumenrad
  • Wiener Prater Wurstlprater
    Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sisi
  • Wiener Prater Wurstlprater
    Neuer Eingang
  • Wiener Prater Wurstlprater
    Geisterbahn
  • Wiener Prater Wurstlprater
    Riesenrad bei Nacht

Vom Verkehrsknotenpunkt Praterstern kommend, betritt man den Vergnügungspark durch ein neu gestaltetes Eingangsportal, welches Gastronomiebetriebe, Infostände und Shops im Stil der Wiener Jahrhundertwende beherbergt. Gleich dahinter, in unmittelbarer Nähe zum Riesenrad befindet sich Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett und hier dreht sich alles um nationale und internationale Prominenz. Man trifft auf Peter Alexander, Kaiserin Maria Theresia oder Barack Obama, lebensecht in Wachs nachgebildet und kann sich selbstverständlich mit seinen Idolen fotografieren lassen.

Wiener Prater
Kalafati

Im Jahre 1766 ging es los – „mit Ballenschlagen, Kegelscheiben und anderen erlaubten Unterhaltungen“ wie der weltoffene Kaiser Joseph II. verfügte. Mit der öffentlichen Freigabe des alten kaiserlichen Jagdreviers wurde der Grundstein zur Schaffung des heute legendären Wiener Vergnügungsparks gelegt. So tauchte nach den Hasen und Hirschen bald ein neues Wesen in den feuchten Wiesen der damaligen Donauauen auf: Nämlich die Figur des Wurstels, eines ebenso volkstümlichen wie lustig-frechen Charakters, der dem Wiener Wurstelprater den Namen verlieh. Beliebt waren die Kasperltheaterbuden, die damals aus dem Boden schossen allemal – standen sie doch ganz in der Tradition der Hofnarren, die sich mehr Kritik an Gott und Kaiser erlauben konnten, als es der durchschnittliche Bürger im Traum gewagt hätte. „Den Kasperl erschlägt man nicht so einfach, dafür ist er zu robust“, heißt es bis heute in Wien. Diese Urnatur prägt auch den ganzen Wiener Wurstelprater. Denn auch der Vergnügungspark war im Laufe seiner langen Geschichte nicht unterzukriegen, und hat im 2. Wiener Bezirk treu die Stellung gehalten. Dass sich dabei manche der volkstümlichen Attraktionen zäh behaupten konnten, ist Teil dieses Naturells.

So verspricht der Bummel zwischen den Jahrmarktbuden auch eine Reise in die Vergangenheit, bei der neben süßer Zuckerwatte auch jede Menge Nostalgie serviert wird. Denn vieles, was andernorts längst verschwunden ist, wurde an Europas traditionellstem Rummelplatz liebevoll gepflegt und hat sich bis heute erhalten. Darunter auch die hölzerne Spiralrutsche des denkmalgeschützten Tobogan, der sich im Frühling 2009 endlich wieder so präsentieren durfte, wie ihn Generationen von Pratergehern liebten: weiß-blau lackiert und mit groben Jutesäcken als ideale Rutschunterlage. Ein Stück Low-Tech-Entertainment ganz im Sinne des historischen Wiener Praters.

Wiener Prater
Kalafatis Gefährtin

Wer sich nach dieser kleinen Rutschpartie auf Spurensuche begibt, wird gleich um die Ecke belohnt. Gegenüber von der Spiralrutsche befindet sich das legendäre Restaurant „Schweizerhaus“ an der Straße des Ersten Mai, berühmt für seine Kartoffelpuffer, die opulente Schweinehaxe („Stelzen“) und das tschechische Budweiser Bier, das Kenner hier gerne als „Schnitt“ bestellen, als Mischung einer helle und einer dunklen Sorte.

Aber die Praterwelt dreht sich auch ohne Bier seit über hundert Jahren im Kreise. Seit 1887 versehen hier die Pferdchen des „1. Wiener Pony Caroussels“ ihren Dienst, steuern zur Orgelmusik den satten Geruch von Pferdestreu bei. Ganz und gar unscheinbar drückt sich daneben gleich ein weiterer, freilich allzu leicht übersehbarer Klassiker in die Ecke: Eine „Alt-Wiener Schiffschaukel“, die inmitten des Zirpens und Blinkens moderner Geräte längst anachronistisch durch die Praterluft schwankt: rot, gelb, blau lackierte Schiffchen, ein Euro pro Cruise. Es ist der Arbeitsplatz, an dem einst eine archetypische Wiener Rummelplatz-Figur die Handbremse zog: Nämlich der berüchtigte Hutschenschleuderer.

Wiener Prater

Die groben Kerle sind heute verschwunden. Geblieben ist aber das ewige Versprechen, mit dem der Prater seine Besucher in den Bann zieht. Das deutet ein anderer Klassiker an, der sich wenige Schritte vom berühmten Riesenrad befindet. Auch hier dreht sich ein altes Karussell im Kreis, der Technik-Veteran „Dampf- Carousel“ aus 1897. Weiß lackierte Hutschpferde, ein Märchenschwan, ein Affe im roten Lakaien-Frack und nicht zuletzt die Bilder der Ringelspiel-Sektionen Asien- Orient-Samoa-Amerika halten bis heute ein wesentliches Versprechen des Wiener Wurstelprater hoch: Nämlich jenen Hauch von Exotik, der den Alltag ausblendet, dabei kleine, willkommene Fluchten erlaubt. Dass im Spiegelkabinett Dicke plötzlich dünn werden und die Irrwege im Glaslabyrinth für alle gleich verschlungen sind, dient demselben Effekt. À propos Schlagen: Auch der einst populäre Watschenmann - eine mit Leder überzogene Hau-Drauf!-Puppe, findet sich bis heute hier. Kein Wunder, dass sich diese schlichten Klassiker erhalten haben.
Wer den Wiener Wurstelprater mit diesem Wissen durchstreift, darf sich auf spannende Entdeckungen gefasst machen. Näheres dazu verrät ein Blick in das liebevoll eingerichtete Prater Museum, das die Erinnerungen an die Schausteller und Monstrositäten der alten Tage wie eine pittoreske Gruft verwahrt: Lionel, der haarige Löwenmensch, Poster von den Südsee-Damen der „Samoaner-Truppe“ finden sich hier. Und Hinweise auf eine jener exotischen Tierschauen, die einst den Urwald in die Prater-Au brachten: „Riesenspinnen zum 1. Mal in Wien. 120 jähr. Riesenkrokodil mit seinen Jungen. 60 verschiedene Modeschlangen.“ So lauten die Ankündigungen aus der alten Zeit.

Wiener Prater Wiese

Der Blick auf die vergilbten Plakate von Riesen, Zwergen und Siam-Zwillingen, auf den ersten Wiener Fesselballon und die Laterna magica hat sich im Laufe der Jahrhunderte verdichtet. Eine Welt der Wünsche in Miniatur, die die Träume der Dekaden wie ein Riesen-Kaleidoskop verwirbelt, ist der Prater dabei geblieben.

Das verrät die Geisterbahn aus den Fifties, die am Jantschweg mit grünen Drachenschuppen und King Kong‘s Stampferbeinen auf uns warten. Einen vitalen Haarwuchs haben die Kulissenbauer dieser Dekade dem Affenmonster verpasst, doch zugleich hat der Teufel – auch das macht die Ecke so heimelig – hier noch ein erkennbares Gesicht: doppelt gehörnt, krebsrot und mit Fledermausflügeln schaurig garniert. Ein Teufel, der wie ein Teufel aussieht. Das ist ähnlich beruhigend wie der Gevatter Tod, der später im schwarzen Uterus der knarrenden, herrlich holprigen Geisterbahnwege fast wie ein alter Freund aus dem Spanplattensarg kippen wird. Es sind diese feinen nostalgischen Details, die für viele Prater-Besucher das eigentliche Faszinosum ausmachen. Und die aus einem unscheinbaren Ringelspiel eine Zeitmaschine machen, in der sich zwei, drei Ären im Kreis drehen: Mini- Straßenbahn im alten Ringstraßen-Look, ein US-Jeep aus Tagen der Nachkriegszeit, darüber ein Helikopter, den Donald Duck bruchgelandet haben könnte. Dazu eine blinkende Feuerwehr, die nur die Vorfreude der aufgeregten Knirpse löschen kann. Und nicht zu vergessen: ein grüner Traktor der österreichischen Traditionsmarke Steyr-Daimler-Puch. Auch er gehört zum Ringelspiel, das einen in die Vergangenheit entführt. Immerhin wurden ja Generationen von Konfirmanden aus Österreichs Dörfern hierher gekarrt, mit dem traditionellen Ziel, sich einmal so richtig mit Zuckerwatte und fettigen Langos vollzustopfen. Der erste Schluck Bier, die funkelnagelneue Uhr, der Crash-Kurs der Halbstarken im bereits 1926 hier eingeführten Autodrom – für viele Österreicher bedeutet der Praterrummel auch eine Initiation.

Schweizerhaus

Nur logisch, dass sich rund um diese verzauberte Welt eine große, beruhigende Grünzone legt – als ob das „echte Wien“ und die wilden Rummelplatz-Träume des Wurstelprater einen zwischengeschobenen Puffer brauchen würden. Auch heute ist der Wurstelprater ja bloß ein kleinen Teil der weitläufigen Praterauen dar, die mit eigenen Attraktionen locken. Etwa der legendären Liliputbahn, Wiens beliebter Kleineisenbahn, die gerade ihren runden Achtziger feierte und die Fahrgäste neben der schnurgerade verlaufenden Prater Hauptallee hin und her zieht. Wiener Melange plus Milchrahmstrudel im berühmten Cafe-Restaurant Lusthaus, vielleicht ein schneller Sprung zur Pferdewette auf die benachbarte Trabrennbahn Krieau, oder die obligate Joggingrunde – so sehen die beliebten Sonntagnachmittags- Attraktionen aus, die die grüne Lunge der Stadt den Prater-Besuchern bietet. Und im Planetarium, gleich neben dem Riesenrad gelegen, kann man sogar fremde Planeten sehen. Aber wozu? Zeigt der Wiener Prater doch mehr als ein Universum. Nämlich die Welt der Fantasie

Quellen: Österreich Werbung, gayinvienna.com