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Zentralfriedhof

Der Zentralfriedhof

Nachdem die alten Friedhöfe der einzelnen Bezirke zu klein geworden waren, erklärte Wien den Zentralfriedhof 1874 für eröffnet. Mit seinen fast 2,5 km² ist er einer der bekanntesten und mit 3,3 Millionen Bestatteten auch der Größte Europas hinsichtlich der Anzahl der Begrabenen. Der Wiener mit seinem schwarzen Humor beliebt zu scherzen: “Halb so groß wie Zürich, aber doppelt so viel Spaß!” Die tote Bevölkerung Wiens übertrifft die lebende im Moment fast um das Doppelte. Der Name “Zentralfriedhof” ist eher beschreibender Art, da der Friedhof geographisch gesehen im äußersten Winkel des Bezirks Simmering angesiedelt ist.

Wien und der Tod

Die Wiener haben seit jeher eine etwas andere Beziehung zum Tod. „A schene Leich“, also „eine schöne Leiche“ ist eine wichtige Angelegenheit für jeden echen Wiener und jede echte Wienerin nach seinem Ableben.



Wer mehr darüber wissen möchte, sollte auf einen Besuch ins Bestattungsmuseum Wien vorbeischauen.

Eine der Entscheidungsgrundlagen für den Ausbau einer solch enormen Friedhofsanlage basierte auf der Berechnung, dass die Hauptstadt der k.u.k. Doppelmonarchie bis zum Ende des 20. Jahrhunderts auf vier Millionen Einwohner anwachsen würde. Tragischerweise wurde diejenige selbst zu Grabe getragen nachdem sie1918 kollabierte. Nichtsdestotrotz weiß der Wiener den Friedhof natürlich trotzdem zu nutzen, denn “gestorben wird immer”.

Der Zentralfriedhof wurde von Karl Jonas Mylisus und Alfred Friedrich Bluntschli 1870 entworfen und zu Allerheiligen im Jahre 1876 eröffnet. Jacob Zelzer war die erste Person, die begraben wurde. Sein Grab kann noch immer besichtigt werden. Es befindet sich in der Nähe des Verwaltungsgebäudes an der Friedhofsmauer. Heutzutage finden ca. 20-25 Begräbnisse am Tag statt.

Die Kirche, die sich mitten im Herzen des Friedhofs befindet, ist die Karl-Borromäus-Kirche - auch bekannt unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtniskirche.

Da der Zentralfriedhof, unter anderem aufgrund seiner doch erheblichen Entfernung vom Stadtzentrum, bei der Bevölkerung recht unbeliebt war, entschieden die Obrigkeiten, Ehrengräber als eine Art Touristenattraktion zu vergeben. Nachdem Wien die Stadt der Musiker und Komponisten ist, beliebten die Stadtväter ihrer Dankbarkeit gegenüber den Komponisten durch imposante Grabmäler Ausdruck zu verleihen. So finden sich heute viele namhafte Vertreter dieser Kunst wie Schubert und Beethoven, die 1888 hierher verlegt wurden, weiters Brahms, Salieri und Johan Strauss II. Mozart wurde de facto am nahegelegenen Friedhof St. Marx begraben, erhielt aber ein Ehrenmal.

Kurt Hauenstein, auch bekannt als Supermax (1949-2011), der die Rotlichtszene- und Schwulen-Hymne “Lovemachine” geschrieben hat, ruht ebenfalls am Zentralfriedhof. Genauso wie die allseits beliebte Bundesministerin, Vize-Bürgermeisterin, Stadträdtin und Vorsitzende der Sozialdemokratischen Homosexuellenorganisation Getrude Fröhlich-Sandner (1926-2008).

Neben der katholischen Sektion befindet sich seit 1904 auch ein protestantischer Friedhofteil und zwei jüdische. Als die Nazis während der Kristallnacht den älteren zerstörten, blieben wenigstens noch 60.000 intakt. Bekannte Bestattete sind beispielsweise Arthur Schnitzler oder Familienmitglieder der Rothschilds. Seit 1876 werden auch Personen muslimischer Glaubensrichtung am Zentralfriedhof beerdigt, allerdings nach den Richtlinien des österreichischen Gesetzes in einem Sarg und nicht in einem Leichentuch, wie es dem islamischen Ritus entspräche. Auch Grabplätze unterschiedlicher orthodoxer Kirchen sind am Zentralfriedhof vertreten. Europas erster buddhistischer Friedhof eröffnete im Mai 2005 am Zentralfriedhof. Seit 2000 befindet sich auch ein Babyfriedhof nahe Tor 3 auf der Anlage.

Aufgrund seiner enormen Größe ist das Benutzen von Privatfahrzeugen gestattet, wobei eine Gebühr entrichtet werden muss. Es gibt allerdings auch einen “Friedhofsbus” - Nummer 106, der einige Stops auf dem Gelände anfährt. Die Redewendung “er hat den 71er g’nommen” ist eine etwas morbide Metapher der Wiener für den Tod eines Menschen. Sie begründet sich auf der Straßenbahnlinie 71, die vom Schwarzenbergplatz zum Zentralfriedhof führt.

Mittlerweile lieben die Wiener ihren Zentralfriedhof und nutzen das wundervolle Areal auch nur zu Erholungszwecken. Der Park der Ruhe und Stärke ist beispielsweise ein Ort, der zum Verweilen und Krafttanken einlädt. Wolfgang Ambros, ein berühmter österreichischer Musiker, hat den Friedhof der Wiener zu seinem 100. Geburtstag 1975 mit seinem Lied “Es lebe der Zentralfriedhof” geehrt. ”.

Ein genauer Plan des Friedhofs und seiner Ehrengräber kann bei der Friedhofswache am Tor 2 gekauft werden. Hier können auch gegen eine Leihgebühr von EUR 2,00 Audio-Bild-Guides ausgeliehen werden.