Queere MigrantInnen & Minderheiten in Wien

Nicht erst seit Europa - und Österreich - von Flüchtlingen auf der Suche nach Hilfe und Schutz vor Krieg, Armut und Zerstörung in großer Anzahl vor unseren Grenzen stehen, gab und gibt es in Österreich eine größere Anzahl von queeren MigrantInnen.

Wien war über die Jahrhunderte immer eine Einwandererstadt. Viele Menschen aus den ehemaligen Kronländern der Habsburger-Monarchie, vor allem Tschechen, aber auch aus vielen anderen Teilen Europas und der Welt haben in Wien ihre Heimat gefunden. Familiennamen wie Novak, Smolak und viele andere sind Beispiele dieser früheren Migrationsbewegungen. So gilt doch das Sprichwort „A jeda echte Weana hot a böhmische Großmutter!“ nach wie vor. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie sind viele Beamte, KünstlerInnen und Kulturschaffende der Donaumonarchie nach Wien gezogen.

Schon die französische Revolution führte zur Emigration von - zumeist - adeligen Familien aus vielen Teilen der von Kaiser Napoleon beherrschten Gebiete und im Grunde war auch Prinz Eugen (von Savoyen) zeitlich weit vorher bereits ein Immigrant. Österreich-Ungarn war in mancher Sicht ein Vorreiter. So wurde der Islam - durch die Annexion Bosiens kam eine große islamische Bevölkerung unter die Herrschaft von Kaiser Franz Joseph - als erstes von einem Staat offiziell anerkannt. Muslimische Einheiten dienten in der k. u. k. Armee und wurden dabei von Militär-Imamen betreut.

In der Ersten Republik gab es vor allem im zweiten Bezirk - der Leopoldstadt - eine sehr große jüdische Bevölkerung, zahlreiche Synagogen, (koschere) Geschäfte und Vereine. Durch das Aufkommen von faschistischen Diktaturen und den Anschluß von Österreich an Hitlers - nunmehr - großdeutsches Reich waren die Juden unerwünscht und wurden zu Tausenden in Konzentrationslager deportiert um auf abscheuliche Weise getötet zu werden. Synagogen, Geschäfte und die ganze jüdische Infrastruktur Wiens wurden von den NAZIs zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg reichte der wichtige kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Beitrag der jüdischen ÖsterreicherInnen nie wieder an das Vorkriegsniveau heran.

Mit der Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang in West und Ost kamen neue Immigrationswellen auf Österreich zu, zB durch den Ungarnaufstand, den Prager Frühling, die Einführung des Kriegsrechts in Polen. Nach dem Zerbrechen des kommunistischen Imperiums der Sowjetunion glaubte man Krieg und Leid in Europa überwunden, doch wurden neue Flüchtlingsströme ausgelöst

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Das erste Homoriental, der multikulturelle Club für LGBTIQ und deren Freunde fand am 19. Juni 1999 nach der Regenbogenparade in der Arena statt, kann in deutscher Sprache auf dem Blog von Homoriental nach gelesen werden. Es findet zwar in unregelmässigen Abständen statt, ist aber DAS Zentrum für queeres Nachtleben, wenn man mit einem transnationalen Partypublikum zu Klängen vom Balkan und aus dem Mittleren Osten feiern möchte.

Mehr Balkan-Beats can man bei BallCanCan, gegründet 2005 von Wien’s queerer Ikone der Migranten von Ex-Jugoslawien: Sabrina Andersrum.

Fast jeden Monat findet der BallCanCan, mittlerweile von DJ TEO organisiert. Hauptsächlich tanzt man dort zu Rythmen vom Balkan und aus der Türkei. Von Zeit zu Zeit gibt es auch ein Eurovision Song Contest Special mit früheren oder zukünftigen Teilnehmern oder dem/der neuen SonderbotschafterIn GAYTANA.

Leider findet der kurze Seitensprung von Sabrina Andersrum - TurboVolk - ein Club, der sich auf die typische Mischung aus traditioneller und Popmusik vom Balkan nicht mehr statt, aber man weiss nie ganz genau womit Sabrina Andersrum ihr Publikum erfreuen wird, deshalb ist ein Revival des TurboVolk nicht ausgeschlossen.

BallCanCan, Homoriental und die Parties von MiGay (Einer Organisation zur Förderung von lesbischwulen und Trans-Migranten) sind ein wundervolles Beispiel echter „Queerness“. Jederman und jederfrau, unabhängig von Sprache, sexueller Orientierung oder Identität ist wilkommen und wird einen fröhlichen Partyabend verbringen. Heteropärchen beim Tanzen, ein Typ küsst eine Tranny, schwule Jungs oder lesbische Mädchen halten Händchen - niemand kümmert sich darum und kann die wundervolle Atmosphäre geniessen.