Sightseeing mit der Tram

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Sightseeing per Bim – bitte alle einsteigen!

Die Wiener Ringbahn ist ein Phänomen und wer das weiß, der kann sich Frostbeulen und Blasen an den Füßen sparen. Denn einmal in die Straßenbahn Linie 1 eingestiegen, und ein wenig später in die Linie 2, bekommt man um 2,20 Euro alle Sights auf den Radar, die sich am prächtigen Wiener Ring befinden. Eine günstigere und authentischere Stadtrundfahrt werdet Ihr nicht finden. Wer auf Erklärungen zu den Sehenswürdigkeiten und Gebäuden nicht verzichten möchte, der kann auch die offizielle Vienna Ring Tram nutzen, die klappert in 25 Minuten die wichtigsten Stationen am Ring ab – eine Runde kostet 7,– Euro (24 Stunden mit der Möglichkeit ein- und auszusteigen 9,– Euro), via LCD-Bildschirm und Kopfhörer werden in vielen Sprachen Informationen zu den Hot-Spots gegeben.

Die Entstehung der Ringstraße

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© Wiener Linien / Thomas Jantzen

Am Beginn der Bautätigkeiten zum Ring stand ein Erlass von Kaiser Franz Joseph I. 1857, in dem das Fallen der Befestigungsmauern und die Verbauung des Glacis festgelegt wurde. Die Bezirke außerhalb der Innenstadt sollten so an den ersten Bezirk verbunden werden, denn bis dahin musste man Stadtgraben und -mauer überwinden, um in den „Ersten‟ zu gelangen. Auf den Erlass folgte ein Architekturwettbewerb, der Ideen für die Gestaltung der zukünftigen freien Fläche hervorbringen sollte. Man einigte sich auf keinen konkreten Entwurf, aber doch auf ein Motto: Großzügigkeit. Das Großbürgertum sollte Platz bekommen, sich zu präsentieren. Und das tat es. Bereits 1858 wurden die Basteien abgebrochen, zum Bedauern vieler gingen die beliebten Spazierwege auf der Bastei verloren, ebenso das mit Bäumen und Wiesen begrünte Glacis. Dennoch ist das Ergebnis gelungen: Heute reiht die Ringstraße Theater, Rathaus, Parlament, Museen, Universität prächtige Wohnhäuser und Parkflächen aneinander und gehört mit einer breite von 57 Metern und einer Länge von vier Kilometern zu den größten und schönsten Prunkstraßen der Welt.

Franz-Josefs-Kai

Lasst uns gleich am Schwedenplatz einsteigen, einen Fensterplatz in Fahrtrichtung sichern und losdüsen. Gegen den Uhrzeigersinn, wenns recht ist … bitte zurücktreten, es geht los!
Hinter uns lassen wir einen der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Wiens, der nach 1919 seinen Namen erhielt, um den Schweden für ihre Hilfe nach dem Ersten Weltkrieg zu danken. Hinter uns liegen damit auch das Bermudadreieck – ein berühmt-berüchtigtes Lokalviertel, das sich Anfang der 1980er Jahre in Schwedenplatznähe etablierte, und die beliebten Eissalons am Schwedenplatz.

Schottenring

Den Beginn des Schottenrings markiert der Ringturm, ein 23-stöckiger Büroturm, der auf den ersten Blick nicht grandios aussieht. Als er jedoch 1953 bis 1955 errichtet wurde, war er als eines der höchsten Gebäude Europas schon etwas Besonderes. Noch heute ist der Ringturm Symbol des Wiederaufbaus in Wien. Linkerhand taucht ein rotes Ziegelgebäude auf, die Alte Börse. Die wurde von Architekt Theophil Hansen erbaut und steht hier seit 1877. Seit dem Umzug der Börse in die Wallnerstraße werden in den prachtvollen Börsensälen Tagungen, Konferenzen und Konzerte abgehalten. Wer seine Adleraugen auf rechts scharf stellt, der erhascht eventuell einen kurzen Blick auf die Votivkirche. Die Votivkirche wurde aus Dankbarkeit nach einem gescheiterten Attentat auf Kaiser Franz Joseph erbaut und wird von Touristen des öfteren mit dem Stephansdom verwechselt. Um den „Ringdom‟ zu sehen, der ein fantastisches Beispiel des Historismus darstellt, sollte man aber ehrlich gesagt aussteigen und die paar Schritte zum Rooseveltplatz gehen. Denn ein paar Meter weiter verdeckt schon das Hauptgebäude der Universität Wien den Blick auf alles, was dahinter liegt.

gay in vienna tram Rainbow Parade 2013
© Johannes Zinner

Universitätsring

Dieser Abschnitt des Rings heißt erst seit kurzem so, zuvor war das der „Dr.-Karl-Lueger-Ring‟ – und häufig ist er auch noch so zu finden. Auf drängen der Universität – man wollte in der Adresse nicht länger einem „Begründer des modernen Antisemitismus‟ huldigen – wurde er aber umbenannt. Hier also Uni Wien – die Bim wird sich jetzt gleich signifikant leeren. Das Gebäude wurde von Kaiser Franz Joseph 1884 eröffnet (die Universität als Institution bestand schon seit 1365!) und umfasst eine Grundfläche von 161 mal 133 Meter. Gemäß dem Ringstraßen-Historismus ist es im Stil der Renaissance gehalten. Natürlich kann man auch reingehen und sich die ehrwürdigen Gemäuer von innen ansehen. Besonders sehenswert ist der Arkadenhof mit den zahlreichen Büsten erfolgreicher Absolventen.

gay in vienna Rainbow flag tram
© Johannes Zinner

Die Weiterfahrt wird schwierig, denn rechterhand erscheinen das Rathaus und der Rathausplatz hinter der Scheibe, direkt gegenüber das Burgtheater. Das Rathaus zeigt sich im neugotischen Stil, es wurde zwischen 1872 und 1883 erbaut, und schmückt sich mit einem beinahe 100 Meter hohen Turm. Hier befinden sich die Amtsräume von Bürgermeister Michael Häupl. Seit 1993 wird das ehrwürdige Haus einmal jährlich Schauplatz des wohl außergewöhnlichsten Balls der Welt: Hier findet der Lifeball statt – im Jahr 2013 unter dem Motto „1001 Nacht‟.
Ach das Burgtheater, Mist, sind wir schon dran vorbei? Das links, das war „die Burg‟, die an dieser Stelle seit 1888 bespielt wird – die Geschichte des Hauses geht allerdings zurück bis 1741. Kaiser Joseph II., der Sohn von Maria Theresia, war ein begeisterter Förderer des Theaters. Er hatte seine eigene Loge und verordnete den Stücken allgemein den „Wiener Schluss‟, ein früher Begriff für ein Happy End. Das Burgtheater ist das größte und zugleich eines der wichtigsten Theater im deutschsprachigen Raum.

Dr.-Karl-Renner-Ring

Das Haus, das sich rechts im griechischen Stil zeigt, ist das Parlament, der Sitz des Nationalrats und des Bundesrats. 1873 bis 1883 wurde es nach den Plänen von Theophil Hansen erbaut. Im Giebel des Gebäudes sind nach wie vor die Allegorien der 14 Kronländer des k. u. k. Österreichs dargestellt. Auf dem Dach tummeln sich Sokrates, Plutarch, Platon und andere Schlaumeier in Form von Statuen. Vor dem Parlament wacht Pallas Athene, entworfen von Carl Kundmann und vier Meter hoch. Dass sie dem Parlament den Rücken zudreht wurde in Wien zum Kalauer: Anscheinend ist die Weisheit nicht im Parlament zu suchen. Rechts neben dem Parlament befindet sich eine Büste von Dr. Karl Renner, der von 1945 bis 1950 Präsident Österreichs war und diesem Ringabschnitt seinen Namen gab.

Burgring

Die beiden Gebäude, die beinahe identisch aussehen und jeweils ein Spiegelbild des anderen abgeben, sind das Naturhistorische Museum und das Kunsthistorische Museum – zwei der renommiertesten Museen Wiens. Der architektonische Kunstgriff hier zwei Zwillinge zu schaffen, soll nichts anderes bedeuten, als dass Kunst und Natur als völlig gleichgewichtig anzusehen sind. Das NHM wurde 1889 eröffnet, das KHM folgte 1891. Hier lohnt es sich jedenfalls auszusteigen und eines davon zu besuchen besuchen – schon allein der Gebäude wegen.
Links, also gegenüber der Museen, geht es direkt zum Heldenplatz bzw. in die Hofburg. Von hier regierten die Habsburger über 700 Jahre ihr Reich. Die Hofburg ist ursprünglich eine Burg aus dem 14. Jahrhundert, die unter den Habsburgern ihre heutigen Dimensionen erreichte. Noch heute ist sie das repräsentative Zentrum Wiens – hier sitzt Bundespräsident Heinz Fischer, außerdem befinden sich hier die Nationalbibliothek und zahlreiche Kunstsammlungen. Wer nach so viel Bimfahren ein wenig Frischluft braucht, der steige hier aus und gehe in den Burggarten, der sich hinter dem Zaun auf der linken Seite verbirgt. Besonders schön ist dort das Palmenhaus, das als typisches Jugendstil-Glashaus besonders für Architekturinteressierte spannend ist.

© Johannes Zinner

Opernring

Bereit zur Weiterfahrt? Sehr gut, denn ein paar schicke Hütten haben wir noch anzubieten. Zum Beispiel die Wiener Staatsoper, die gleich auf der linken Seite auftaucht. Das Gebäude wurde zwischen 1863 und 1869 als eine der ersten Prunkbauten am Ring angelegt. Heute bietet es einen Querschnitt der Opernliteratur und verwandelt sich einmal im Jahr in einen fantastischen Ballsaal, in dem der Opernball stattfindet – die wahrscheinlich luxuriöseste Veranstaltung der Stadt. Bei den Führungen können hinter den Kulissen interessante Einblicke gewonnen werden.
Nächste Haltestelle: Kärtner Ring / Oper. Hier müssen wir die Fahrgäste, die noch immer nicht genug haben, bitten, umzusteigen. Und zwar in die Linie 2, die die Ringtour komplett macht.

Kärntner Ring bis Parkring

Der Kärtner Ring zeigt sich besonders nobel, hier sind die Ringstraßengalerien angesiedelt, die für jene, die gerne tiefer in die Geldtasche greifen, allerhand Schönes anbieten. Eines der markantesten Gebäude ist jedoch das prächtige Hotel Imperial. Ursprünglich wurde es (1862–1865) als Palais für Herzog Philipp von Württemberg erbaut, der es mit Erzherzogin Marie Therese von Österreich bewohnte – ja, der Mann hatte Geld. Bald wurde es aber verkauft und in ein Hotel umgewandelt, das 1873 – anlässlich der Weltausstellung – feierlich im Beisein von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth eröffnet wurde. Eines könnt Ihr uns glauben: Innen sieht es genau so glamourös aus wie von außen!
Am repräsentativen Schubertring befinden sich ebenfalls ein paar schöne Geschäfte. Der Parkring bekam seinen Namen vom Stadtpark, der sich auf der rechten Seite befindet. Der war Wiens erste öffentliche Parkanlage, wurde 1862 eröffnet, und wäre es auch wert, ein wenig darin herumzuspazieren: Kein Wiener Park birgt mehr Skulpturen als der Stadtpark, dazu gibt es viele Wasserflächen. Der Park ist zu jeder Jahreszeit schön, denn bei der Bepflanzung wurde auf eine ganzjährige Blüte geachtet.

Nächste Heltestelle Schwedenplatz …

… bitte alle aussteigen. Zumindest jene, die nach der Ringrunde in der Innenstadt bleiben wollen. Wer nach so viel Input dringend einen gemütlichen Kaffee braucht, dem empfehlen wir noch ein wenig sitzenzubleiben, denn die 2er fährt weiter in den 2. Bezirk. Am Karmeliterplatz befindet sich der Karmelitermarkt mit vielen netten Cafés. Wer sich nach der Rundfahrt die Beine vertreten möchte, der kann ebenfalls noch sitzen bleiben und erst bei der Taborstraße aus der Bim springen. Von hier kommt man auf recht schnellem Wege in den Augarten, wo man herrlich flanieren und spazieren kann.